Lieber ein Ende mit Schrecken – als ein Schrecken ohne Ende


juergen canehlNun sind also die Tunnelgegner schuld an dem Debakel der ungeklärten Gesamtfinanzierung und den Verzögerungen. Sie haben „bewusst gegen besseres Wissen die Bevölkerung belogen“. Statt die Tunnelgegner in- und außerhalb des Stadtrates derart zu beschimpfen, hätte der OB vielleicht lieber einmal erklären sollen, wie er aus dem derzeitigen Dilemma herauszukommen gedenkt. Die Bürgerinitiative hat nichts weiter getan, als die Infovorlage des Oberbürgermeisters zu kommentieren. Das kann jeder Bürger seit letzter Woche unter www.tunnel-stoppen.de nachlesen und sich selbst ein Bild machen. Auch der Sachstandsbericht des OB ist dort eingestellt.

Ganz offensichtlich sieht der Oberbürgermeister den Wald vor Bäumen nicht mehr, wenn er meint, dass es keine Alternative zur Tunnellösung am Damaschkeplatz gibt. Nur weil der OB sich derartig in dieses Projekt verrannt  hat, soll dieses jetzt durchgezogen werden: koste es, was es wolle. Dabei gab und gibt es Alternativen zu dieser unsicheren und teuren Variante, allerdings muss man sie auch sehen wollen.

Die einfache Nullvariante mit der Beibehaltung der heutigen Durchfahrtshöhe und -breite wäre eine solche Alternative, die nicht nur in kürzerer Zeit zu realisieren wäre, sondern aller Wahrscheinlichkeit auch die Hälfte der jetzt anvisierten Mittel kosten würde.

Die Umsetzung dieser Nullvariante würde zudem die Abkopplung des Kölner Platz verhindern und das Abholen und Hinbringen von Fahrgästen nach wie vor möglich machen. Weitere Vorteile, wie z.B. die uneingeschränkte Nutzung der nördlichen Parkhausein- und -ausfahrt, liegen auf der Hand und sprechen für diese Variante. Das eigentliche Ziel, nämlich die Erneuerung und Neugestaltung der Eisenbahnbrücken und das Herstellen einer sinnvollen Lösung für den Straßenverkehr aus Stadtfeld kommend, ist auch mit der einfachen Nullvariante umsetzbar und spart mehrere Millionen Euro.

Besonders problematisch ist es, dass das Vorhaben nicht in der EFRE-Strukturfondsperiode 2007-2013 ausfinanziert werden kann und eine aus diesem Grund notwendig werdende Restfinanzierung – vermutlich der größere Teil - vom Land ausdrücklich abgelehnt wurde. Was ist, wenn nach 2013 kein Geld da ist? Will man den Tunnel in Bauabschnitten realisieren? Das dürfte kaum gehen.

Angesichts der Tatsache, dass das Land seine Förderung mittlerweile vom positiven Ergebnis einer gesamtwirtschaftlichen Wirtschaftlichkeitsuntersuchung abhängig macht, ist ein Umdenken seitens der Stadtverantwortlichen zwingend notwendig. Denn es ist sehr unwahrscheinlich, dass im Ergebnis einer solchen Untersuchung die geforderte Wirtschaftlichkeit, das heißt ja im Grunde die Angemessenheit der Kosten nachgewiesen werden kann. Da das Mammutprojekt weder für Autofahrer, noch für Radfahrer, noch für Fußgänger Verbesserungen sondern nur Verschlechterungen bringt, kann es also objektiv kein positives Ergebnis einer Wirtschaftlichkeitsuntersuchung geben, es sei denn der Gutachter kommt aus den Reihen der Betonmafia.

Jürgen Canehl


 

www.tunnel-stoppen.de - (c) 2009 by grafik|medien|werkstatt mirko stage
13 database queries in 0.430 seconds