Kommentar: IG Innenstadt


Tunnel führt zu 100-fachem Jobverlust in Magdeburger Innenstadt

iginnenstadtDie Interessengemeinschaft der Magdeburger Innenstadthändler schlägt Alarm in Sachen Tunnelbau unter der Reuterallee. Wir sind deswegen in allergrößter Sorge. Die Mitglieder sehen mit den aktuellen Planungen für den Tunnel an den Bahnhofsbrücken große Risiken für den innerstädtischen Handel. Im Umfeld des Tunnelbaus und der damit verbundenen “Zerschneidung” der Magdeburger City werden viele Händler ihre Geschäfte aufgeben, da ein Kundenstrom nicht mehr gewährleistet ist. Wir rechnen mit einem Umsatzverlust von 20 bis 30 Prozent während der Bauzeit und einem 100-fachen Verlust von Arbeitsplätzen. Zudem werden durch die Röhre die bestehenden Probleme nicht gelöst. Das hat der Vorstand nach einer Präsentation der Baupläne vor Geschäftsleuten der Innenstadt erkannt.

Bislang waren wir für den Tunnel. Doch in der Form, wie jetzt vorgestellt, sehen wir darin keinen Sinn mehr, sondern fürchten großen Schaden für den Innenstadthandel. Schließlich bringt die kurze Tunnelvariante, anders als erhofft, keine Entlastung für den staugeplagten Bereich, da das Nadelöhr Otto-von-Guericke-Straße/Ernst-Reuter-Allee weiter bestehen bleibt. Der Stau wird nur in den Tunnel verlagert, schneller Verkehrsabfluss ist weiterhin nicht gewährleistet. Für uns ist es ebenso unverständlich, warum ein vierspuriger Tunnel gebaut werden, aber in die Stadt nur eine Spur offen sein soll und aus der Stadt heraus zwei Spuren. Hier soll doch nur mit Fördermitteln getrickst werden. Die Variante mit einer Spur bringt keine Verbesserung für Magdeburger, Kunden und Touristen. Die Situation ist identisch mit der jetzigen Verkehrsführung und bringt weiterhin Staus an der Einfädelung der Abfahrt vom Magdeburger Ring in Richtung Innenstadt bzw. es kommt zu mehr Verkehr, da jetzt der Schwerlastverkehr ertüchtigt wird.

Verheerend wäre die geplante Abkopplung des Kölner Platzes vom Individualverkehr. Für Reisende und Gäste des Hauptbahnhofes bleibt nur noch der Parkplatz an der Maybachstraße. Dieser ist schon jetzt überlastet. Der Bahnhof ist so für den Autoverkehr nur schwer zu erreichen. Und es gibt aus Sicht der Innenstadt einen weiteren schwerwiegenden Kritikpunkt, der zur Ablehnung des Tunnelbaus führt: Zwischen Damaschkeplatz und dem City Carré würde eine gewaltige Freifläche entstehen. Zwar könnte diese von Fußgängern und Radfahrern genutzt werden, doch am Abend ist hier nichts los. Wir würden eine tote Freifläche schaffen.

Ähnliches gilt für den Kölner Platz: So eine Fußgängerzone lebt nicht nur von der Straßenbahn. Der Fußgänger schlendert nur da, wo es schön ist und es etwas zu sehen gibt. Eine große Freifläche mit ein paar Eisenbahnbrücken, Grünflächen, Fahrradständern und Tunnelschluchten ist es nicht. Hier fehlt die Gesamtkonzeption für den Bereich. Im Bereich der Tunnelauffahrten am City Carré und am “Grünen Baum” wird sich aus Sicht der Geschäftsleute auch kein Handel mehr ansiedeln, da diese Lagen noch unattraktiver werden.

Die Forderung der IG Innenstadt lautet daher: Kein Bau des kurzen Tunnels nur unter dem Druck, das Fördermittel kommen könnten und es eventuell in ferner Zukunft eine Verlängerung des Strombrückenzuges gibt. Wir wissen, dass die Finanzierung attraktiv ist, aber bitte nicht zu Lasten der Innenstadt. Konsequent wäre aus Sicht der Interessengemeinschaft der Bau eines langen Tunnels unter der Reuterallee bis Höhe Krügerbrücke. Nach der Fertigstellung müssten dann auch mindestens zwei Fahrspuren in die Innenstadt zur Verfügung stehen, ohne Lkw-Verkehr.

Außerdem fordert die IG Innenstadt ein Konzept für die nachhaltige Belebung der 0-Ebene – nicht nur durch Grünfl ächen und Pflaster, sondern unter Einbeziehung der bereits ansässigen Mieter und Vermieter. Wobei nach der langen Bauzeit wir wenig realistische Chancen sehen für eine Vermietung im Einzelhandel. Während der Bauphase muss eine Fahrspur in die Innenstadt für Autos dauerhaft freigehalten werden, um den Innenstadthandel nicht nachhaltig zu schädigen. Es darf keine lange Vollsperrung der Stadteinfahrt geben. Das wäre der Tod für viele Einzelhändler in der Innenstadt. Unsere alte Forderung im Vorfeld eines möglichen Tunnelbaus: Die Freigabe der Rechtsabbiegermöglichkeit über den Bahnhofsvorplatz und eine Analyse der dann veränderten Verkehrsströme im Kreuzungsbereich, um neue Möglichkeiten für eine Entlastung der Reuterallee/Otto-von-Guericke-Straße zu prüfen.

Ingo Bumbke
Vorsitzender Interessengemeinschaft Innenstadt




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